Setz deine Energie proaktiv ein. Coach John C. Maxwell beschreibt in seinem Buch Everyone communicates few connect fünf Strategien,  wie du deine Energie am besten einsetzt, um dich gut zu connecten. Meine Anregungen dazu.

1 Connection durch Initiative 

Gehe proaktiv und positiv auf andere zu. Sei der Erste, der auf andere Leute zugeht. Warte nicht auf ihre Initiative. Wie oft haben wir schon großartige Begegnungen und Gespräche verpasst, weil der Mensch auf dem Sitzplatz im Zug neben uns vermeintlich abweisend guckt, nicht „unser Typ“ ist oder wir ihn als langweilig, zu andersartig, zu schön, zu hässlich etc. einstufen? Mir persönlich wird oft gesagt, ich habe eine offene Ausstrahlung, weswegen es leicht fiele, mich anzusprechen. Das ist Wesens- aber auch Einstellungssache. Ich fühle mich grundsätzlich mit allem um mich herum verbunden, was ich in der Folge auch durch mein Verhalten und meinen Ausdruck automatisch vermittle.

Auch bei mir gibt es nichtsdestoweniger Hemmschwellen. Doch oft kommen die allerbesten Momente und Aha-Erlebnisse genau dann zustande, wenn wir diese überwinden. Oder diese von der Gegenseite überwunden werden. Im Island Urlaub bekam ich zum Beispiel einmal bei der Ankunft in Reykjavik mit, wie eine junge, körperlich behinderte Frau mit viel Gepäck von Servicekräften recht unprofessionell behandelt wurde. Durch einen Sprachfehler wirkte sie zusätzlich geistig beeinträchtigt und wurde ohne Grund auch so behandelt. Man verstand sie nicht richtig, war unsicher, stempelte sie als kompliziert ab. Kurz – man behandelte sie wie ein Kind bzw. ignorierte sie kurzerhand.

Das bekam ich nur am Rande mit, stieg schnell in den nächsten Bus, um ihn nicht zu verpassen, und bezog mein Hostel im naheliegenden Ort am Meer. Ich war am Bahnhof nicht auf sie zugegangen, also nicht aus meiner Komfortzone heraus. Doch rate mal, mit wem ich im Hostel ein Zimmer teilte? Die junge Frau kam einige Zeit nach mir an und wurde auch hier von der überheblichen Hostelaushilfe mehr oder weniger in ihren Bedürfnissen ignoriert. Letztlich schien die körperlich behinderte Frau das gewohnt zu sein und trotzdem gut klarzukommen.

Ich kam natürlich dann mit ihr ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass sie zwar schwierig zu verstehen, aber mitnichten geistig behindert war. Sie erzählte mir, hier in Island allein eine Auszeit zu nehmen. Und dass sie selbstständig sei und ein Unternehmen gegründet habe, in dem sie und ihre Mitarbeiter*innen behinderte Kinder betreuten, damit deren Eltern ihrerseits mal ohne Kinder Urlaub machen könnten. Du kannst dir vielleicht vorstellen, wie tief beeindruckt ich von der Initiative und dem Mut der jungen Frau war. Wenn diese körperlich wirklich stark beeinträchtigte Frau, die, wie ich ja mitbekommen hatte, von Vielen nicht ernst genommen wurde, selbstständig ein funktionierendes Unternehmen aufbauen konnte – wer von uns kann das dann nicht?

Hätte ich diese Frau auch ignoriert, hätte ich diese einschneidende Erkenntnis nicht gewonnen. Ich hatte den ersten Schritt am Bahnhof auf sie zu aber nicht gewagt. Und so wäre beinahe eine prägende Begegnung an mir vorbeigegangen.                       

Verpasse die Chance der Connection nicht. Warte nicht auf den perfekten Moment. Habe keine Angst vor Zurückweisung oder Missverständnissen. Du kannst diese Gefühle der Unsicherheit überwinden. 

2 Klarheit durch Vorbereitung

Kenne dich selbst. Sorge dafür, dass du wertvoll bist. Kümmere dich erst um dich selbst. Fülle deine Batterien, um anderen überhaupt helfen zu können. Ist ja eigentlich logisch, oder? Ich selbst meditiere, mache Yoga, strukturiere meine Gedanken in einem Journal, gehe in die Natur, pflege Körper und Geist und konsumiere „Kraftfutter“ von Menschen, die ihrerseits gerade genug Kraft haben, um davon welche abgeben zu können. Zum Beispiel durch Podcasts, Kunst, Bücher, Filme, wertvolle Gespräche. Erst, wenn meine Energiespeicher auf diese Weise aufgefüllt sind, bin ich selbst in der Lage, z.B. meine Positivität auf andere zu übertragen oder unterstützende Blogartikel und inspirierende Instagram Postings zu schreiben.

Kenne dein Publikum, um dich voll auf dieses konzentrieren zu können und nicht „beliebig“ zu sein. Jede*r gute Coach, Mentor oder Lehrer spricht eine bestimmte Gruppe von Menschen an, die eine gemeinsame Schnittmenge haben. Er oder sie kennt deren Bedürfnisse und Herausforderungen, um in unterstützender Art und Weise darauf eingehen zu können. In der Netzknüpferei fokussiere ich mich zum Beispiel auf Scanner Persönlichkeiten und Hochsensible. Das scheint zunächst nicht so schwer, weil ich selbst meine Zielgruppe bin. Doch genau darin liegt auch ein Risiko. Menschen lassen sich nicht einfach in eine Schublade mit umissverständlichem und sauberem Etikett stopfen. Sie bleiben Individuen mit ähnlichen, aber unterschiedlichen Merkmalen. Es gilt also, sich das „Publikum“ genauer anzuschauen.

3 Habe Geduld

Slow down. Um mit anderen zu connecten, musst du dich an ihr Tempo anpassen – auch wenn es Energie kostet. Maxwell zitiert Henry Thoreau: „The man who goes alone can start today. The man who travels with another must wait until the other is ready.“ 

Ich erweitere diesen Ratschlag und meine: Habe Geduld und passe dich an die „Spielregeln“ der Person an, die du begleitest. Das ist insbesondere bei Kindern wichtig, aber auch mit den meisten Erwachsenen (inneren Kindern). Mit Anfang zwanzig hatte ich einmal den Ehrgeiz, die Wohnung einer befreundeten Familie aufzuräumen, die mit Baumaßnahmen am Haus beschäftigt war. Da ich nicht helfen konnte, aber Zeit hatte, animierte ich eines der größeren Kinder, mir dabei zu helfen. Die Begeisterung für dieses Vorhaben zu wecken, fand ich nicht schwierig. Doch konnte ich so gar nicht damit umgehen, als das Kind meine Anweisungen nicht befolgte, alles nur oberflächlich erledigte und mittendrin den Staubsaugerarm mit den Worten: „Jetzt habe ich keine Lust mehr“ fallen ließ und einfach woanders „spielen“ ging. Haha.

Geduld hatte ich zwar schon immer – nicht mit mir selbst, aber mit denjenigen, denen ich etwas vermitteln wollte. Zu tief saß mir noch immer die cholerische Ungeduld meines Vaters als Antiheld in den Knochen, der mir etwas beibringen wollte, was ich nicht lernen mochte. So wollte ich nicht sein. In meinem damaligen Mindset regte ich mich aber ganz schön über diesen „Verrat“ des Kindes auf. Denn ich ging von meiner eigenen „Disziplin“ und dem Perfektionismus aus, der mich zu der Zeit prägte. Da gab es kein Aufgeben.

Danach arbeitete ich in meinem Leben noch so einige Mitarbeiter*innen, oft jüngere, in einen Job ein. Mit Geduld und Verständnis für das individuelle Tempo sowie den Erfahrungshorizont desjenigen. Und was passierte? Nach der Einarbeitung konnte die Person jeweils nicht nur den Job selbstbewusst ausführen, ich war meist auch mit den jeweiligen Mitarbeiter*innen gut connectet. In gegenseitigem Vertrauen und Einverständnis.         

4 Sei selbstlos

Gebe! Leute sind lieber mit Gebern (Giver) zusammen als mit Nehmern (Taker). Geben belebt, da du einem anderen beim Wachsen hilfst.

Nehmen laugt aus und lässt uns unberührt. Wir geben keine Energie, sondern nehmen sie (weg). Hast du schon einmal Energievampire erlebt? Menschen, die durch ihre Negativität unbewusst deine Energie aussaugen, um ihr Ego und den Schmerzkörper zu nähren, die sie im Laufe ihres Lebens aufgebaut haben, und mit denen sie sich identifizieren? Nach einem Treffen mit ihnen fühlst du dich blutleer und erschöpft. Sie selbst sind nach der „Session“ alles andere als zufrieden. Sie haben ja nur ihr Ego gefüttert. Ihr eigentliches Selbst bleibt von deiner großzügigen Gabe unberührt und kalt. Und so wirken sie auch äußerlich.    

Die Energie, sich nicht zu connecten, kann größer sein als die, sich zu connecten. Zum Beispiel Mauern um dich herum zu bauen und aufrechtzuerhalten, damit du schön in deinem Elfenbeinturm werkeln kannst und dir keine*r deine Energie zu rauben vermag, kostet dich mehr Energie als du dadurch gewinnst.   

5 Sorge für eine gute Kondition

Erhole dich gut. Lade deine Batterien regelmäßig auf. Schalte dazu deine Energiekiller aus. Arbeite mit deinen Stärken, statt Energie mit Schwächen zu verschwenden. Tue Dinge, die du liebst. 

Bähm! Viel Freude mit diesen Ratschlägen und viel Erfolg beim Connecten.

Herzlich, deine Netzknüpferin.