Abfallberge abtragen und auf Null reduzieren, das ist das Ziel der Zero Waste Bewegung. Es gibt Leute, die machen einen Unterschied. Sie sprechen nicht nur davon, die Umwelt zu verbessern, sie tun es auch. Laura tut das. Ein einschneidendes Erlebnis war Auslöser für ihr Engagement. 

Schon von klein auf ist Laura daran gewöhnt, viel unverpacktes Bioobst und -gemüse auf dem Markt oder im Biomarkt zu kaufen. Doch erst ein Schlüsselerlebnis bringt sie richtig zum Umdenken: Beim Surfen auf den Philippinen steigt sie nach dem erfolgreichen Ritt ihrer ersten Welle stolz und bestens gelaunt aus dem Wasser. Doch ein paar Schritte später schon ebbt Lauras Euphorie wieder ab … als sie sich am Strand den Fuß an einer Wasserflasche aufschneidet. Autsch! Ihr wird bewusst, wie vermüllt der Strand ist. Nicht nur, weil die Passanten ihren Müll achtlos in der Gegend rumschmeißen. Auch der in Deutschland nicht fachgerecht entsorgte Abfall landet letztlich im Meer.

Bei Recherchen stößt sie dann auf die „Mutter des Zero Waste“ Bea Johnson, und lässt sich von ihr inspirieren. „Eine Französin, die in Kalifornien wohnt“, so Laura. „Sie lebt mit ihrer Familie weitestgehend abfallfrei und produziert nur ein Einmachglas Abfall pro Jahr. Das hat mich total gecatcht und ich dachte, wenn sie das kann, kann ich das auch. Also hab ich mich mit dem Thema weiter auseinandergesetzt und angefangen, mein Leben Stück für Stück umzubauen.“

Laura Koniecnzy - Porträt

Zero Waste Expertin ©Laura Konieczny

Heute lebt Laura Konieczny nach dem Zero Waste Prinzip und teilt ihr Wissen in Workshops und in den Medien. Dabei ist ihr Background ein ganz anderer. Seit ihrem 16. Lebensjahr arbeitet sie als Journalistin und schreibt heute noch nebenher für eine Jugendwebsite. Rewind: Nach einem Bachelorstudium bricht sie ihren Master für Philosophie und Politik ab, weil sie merkt, dass der theoretische Input sie nicht weiterbringt in dem, was sie praktisch umsetzen möchte. „Ich mache mich, durch meine Lebenspraxis und Passion für das Thema, selbst zur Expertin. Da brauche ich niemanden extern, der mir das beweist.“

Die Frau muss ein Organisationswunder sein, denn parallel gibt sie noch Schulungen zu den Themen interkulturelle Bildung und Umgang mit Vorbehalten gegenüber Geflüchteten – Stichwort „Globales Lernen“. Zusätzlich hat sie in den letzten Monaten die Awesome People Conference von Robert Gladitz mitbetreut … und das ist immer noch nicht alles. Ich staune gestikulierend. Laura sitzt mir indessen im Coworking Space gegenüber, gelassen wie Buddha selbst.

Ihr neuestes Projekt ist ein von ihr selbst entwickeltes, ganzheitliches Konzept zur nachhaltigen Gestaltung von Events – das sie übrigens schon erfolgreich für drei kommende Festivals in trockene Tücher bringen konnte. Laura: „Ich geh super gern auf Musikfestivals und hatte da immer ’ne richtig geile Zeit, aber es hat mich gewurmt, durch diese Müllberge dort zu laufen. Da hab ich dann angefangen, nicht mehr Wegwerfgeschirr zu benutzen, sondern mein Picknickgeschirr und eine Flasche mitzubringen.“ Natürlich wurde die berühmte 5-Minuten-Terrine auch ersetzt. Grins. Ne tolle Idee.

„Ein krasser Hebel, um viele Menschen für das Thema Nachhaltigkeit zu begeistern, die sich sonst in ihrem Alltag unter Umständen nie damit beschäftigen“, wie Laura meint. Man erreiche „die Menschen auf einer ganz anderen Ebene.“ Das Festivalpublikum komme nicht, um etwas zu lernen, sondern alles funktioniere ganz spielerisch. „Du merkst – das macht Spaß! Das hat einen Mehrwert, das ist ziemlich geil, wenn ich nicht im Müll feiere, sondern auf einem sauberen Gelände.“ Ich bin gespannt darauf, sie in einem Jahr wieder zu interviewen und mehr über das Ganze zu erfahren. 

Kaffee und Kuchen

Das Arbeitsset eines Organisationswunders ©Laura Konieczny

Besonders gefällt mir Lauras undogmatische Einstellung. Jede*r darf den eigenen Weg finden und kleine Schritte gehen, anstatt alles radikal von einer Sekunde auf die andere zu ändern: „Jeder kleine Schritt ist wichtig. Für den einen ist es vielleicht, sich einen Mehrweg-to-go-Becher zu kaufen. Für den anderen, einzukochen, anstatt Lebensmittel wegzuschmeißen, oder mehr frisch zu kochen … Das Schöne daran ist, dass die Möglichkeiten dabei vielfältig sind. Es gibt für jeden eine Lösung, umweltfreundlicher zu leben.“

Lauras Mission erinnert mich an Joachim Klöckners Win-win-win-Theorie – ein gutes Gefühl entsteht in der Kombination daraus, sich selbst ein besseres Leben zu schaffen, etwas für die anderen zu tun und gleichzeitig, den Zustand der Umwelt zu verbessern. Laura: „Meine Vision ist, einerseits Abfall im Kleinen einzusparen und dadurch andererseits auch Menschen in anderen Weltregionen indirekt zu unterstützen, weil meine Konsumentscheidungen ja auch einen Impact auf ihr Leben haben. Im Konkreten bin ich nicht politisch aktiv. Ich sehe mich auch nicht in der politischen Aktivistenfunktion. Ich sehe mich eher als Vermittlerin von Tools und Wissen, um Nachhaltigkeit im Kleinen, im Privatleben umzusetzen, und um Menschen, die eine Reichweite haben, darin zu unterstützen, nachhaltig zu agieren. Zum Beispiel Eventveranstalter und Unternehmen. Ich helfe ihnen, ressourcenschonend zu agieren und so einen Mehrwert zu schaffen – im Hinblick auf das positive Erlebnis, für sich und die Menschen, die sie erreichen.“

Dem ist nichts gewinnbringend hinzuzufügen. Danke für das Interview, Laura!

Ab sofort könnt ihr Laura Konieczny auf der Anchor App anhören. Kleine Audio-Häppchen zum Thema Zero Waste. Auf Instagram postet sie als zerowaste_yourlife!

Demnächst hier auf dem Blog: Laura Koniecznys praktische Zero Waste Tipps 

Let’s play: Eine Bestandsaufnahme ist der erste Schritt zur Veränderung. Auf einer Skala von 1 bis 100 – auf welcher Höhe des Abfallbergs steht ihr?

Ganz oben drauf (95 bis 100)
Ihr steckt irgendwo in der Mitte des Hangs fest (wähle eine Zahl zwischen 95 und 10)
Ihr habt den Berg fast abgetragen (10 bis 1)

Was ist euer nächster Schritt? Manifestiert das gern in den Kommentaren.