Mein Heldenmarkt Berlin 2017 – die Nachhaltigkeit und das Kaffeemassaker

Letztes Wochenende machte ich STATION am Gleisdreieck – der schönen Berliner Location, in der einmal jährlich auch die re:publica für alle digital Neugierigen ihre Tore öffnet. Samstag und Sonntag ging es dort auf dem Heldenmarkt um was mindestens genauso Wichtiges und Faszinierendes: nachhaltigen Konsum. 

Ich hab die Veranstaltung schon deshalb lieb, weil auf der Website das hier zu lesen ist:

Für mich ist Nachhaltigkeit weder ein vorübergehender Trend noch eine Öko-Moral. Nachhaltigkeit ist für mich eine Lebenseinstellung!“

Das schreibt dort Annika Brümmer, die Marketing- und Social-Media-Frau des Heldenmarkts. Dem schließe ich mich unbedingt an! Mein ganzes Blog basiert auf der Grundlage dieses Denkens. Nachhaltigkeit macht in allen Lebensbereichen Sinn und in allem, was wir tun und denken. Längst wird sie nicht mehr mit erhobenem Zeigefinger gepredigt, denn das hat sie gar nicht nötig. Und es ist mit ihr wie mit dem Internet: sie geht nicht mehr weg. Dafür ist eine nachhaltige Einstellung einfach zu plausibel und die Erfolge sind zu effektiv.

Nachhaltige Einhundert & der Mind-Behaviour-Gap

Den Heldenmarkt, als nachhaltige Verbrauchermesse, gibt es übrigens im Zweierpack, zusammen mit der Veggie World. Obwohl ich mich als Veganerin für pflanzliche Ernährung interessiere, spielt sie hier nur eine Rahmenhandlung – ich durchquerte sie am Samstag, um am Treffen der Nachhaltigen Einhundert im wunderschönen Viadukt teilzunehmen, und rundete meinen Besuch am Sonntagabend damit ab, vor Torschluss dort noch schnell eine kleine pflichtschuldige Runde zu drehen. Der Heldenmarkt schluckte einfach meine komplette Aufmerksamkeit.

Meine erste Station war also ein von der nachhaltigen Bank Triodos organisiertes Meeting. Seit 2016 listet die Bank in einem Ranking monatlich hundert Personen, die in den Social Media das Thema Nachhaltigkeit vorantreiben. Als Teil dieser Community war ich dort. Es war mir ein Vergnügen, dort so viele engagierte, offene und ähnlich denkende Persönlichkeiten zu treffen. Das Ganze kumulierte in einer Podiumsdiskussion zum „Mind-Behavior-Gap“, also der Kluft zwischen Wissen und nachhaltigem Handeln. In einem eigenen Blogbeitrag mehr dazu.

An den Ausläufern des Mount Hagen

reCup_PfandbecherAn alle Kaffee-Liebhaber: Dieses Getränk spielte dann übrigens auch eine Heldenrolle. Beim Plaudern mit einem Freund, den ich auf dem Gelände traf, fiel mir der hellbraune Kaffeebecher mit der Aufschrift „reCup“ in seiner Hand auf und unweigerlich auch meine noch ungenügende Kaffeezufuhr an diesem Tag. Wir begaben uns also zur nächsten Kaffeetränke und so kam es, dass ich meinen ersten reCup-Becher für 1,- € erwarb. ReCup ist ein Pfandbecher, den du immer öfter zum Beispiel in Bäckereien zum Transport eines Coffee-to-go kaufen kannst. Bei Verwendung kostet der Kaffee übrigens weniger als normal. Du hast die Möglichkeit, den Becher nach Gebrauch entweder beim nächsten teilnehmenden Geschäft wiederzuverwenden, oder (sogar ungereinigt) zurückzugeben.

Als Nächstes schleuderte ich den kostbaren Inhalt, vermutlich verursacht durch einen Kafferausch und grenzenlose Heldenmarktbegeisterung, wild gestikulierend gleich wieder auf den heiligen Messeboden. Ein kleines Kind zeigte sich dann auch sehr verwundert, sah mich mit großen Augen an und wies mit dem Finger auf die braune Pfütze. Ich schaute verdutzt zurück und wir verständigten uns stumm darüber, dass das da nicht hingehört. Schuldbewusst versuchte ich, das Desaster mit einem Taschentuch zu beseitigen – nicht wirklich erfolgreich, weil der Becher noch dreiviertel voll gewesen war, seufz.

Ich machte das Kaffeemassaker später wieder wett durch einen Besuch des Ausläufers von Mount Hagen, einem Kaffeanbieter der Fairtrade-Sorte. Dort war ich sehr angetan von dem, was mir über das Unternehmen erzählt wurde, besonders vom Slogan „Kaffee für Fortgeschrittene“. Nicht ganz sicher, ob ich dieses so betitelten Getränks ob des zuvor geschilderten Vorgangs würdig war, besorgte ich mir dennoch Nachschub und zog getröstet weiter.

Schwerpunktthema Boden und mein
ökologischer Fußabdruck

Lächelndes Kindergesicht - Boden. Grund zum Leben.

Ausstellungsfoto auf dem Heldenmarkt zum Thema „Boden“

Das Schwerpunktthema der Messe war unser aller Erdboden. Ehrlich gesagt, hatte ich mir noch nie umfassend Gedanken darüber gemacht und nur schwach erinnere ich mich an Sedimentgesteine, Erosion & Co aus dem Erdkundeunterricht einer fernen Ära. Eine kleine Ausstellung der GIZ (Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) auf dem Messegelände machte mich aber total neugierig. Vor allem die industrielle Landwirtschaft hat desaströse Folgen und macht den Boden zu einer traurigen Angelegenheit. Die Böden werden geschädigt durch Überbauung, Gifteintrag und Erosion. Laut Umweltbundesamt geht so weltweit jährlich eine Fläche von 14 Millionen Fußballfeldern verloren. Auf meinem Nachttisch liegt seit neuestem ein Ökologie-Lehrbuch – fragt nicht! Ich hab ja sonst nichts zu tun … aber irgendwie fesseln mich die Themen Biologie und Natur zurzeit sehr. Da wird es wohl auf diesem Blog zukünftig noch mehr drüber zu lesen geben.

Danach ein Halt am „Brot für die Welt“ Stand. An dieser interaktiven Station konnte ich spielerisch, yay! mit vielen bunten Klötzen, einem Wasserkanister samt Kelle, Messlatten und einer Waage meinen ökologischen Fußabdruck bestimmen. Das "Spiel" zum ökologischen Fußabdruck Na ja, das mit der Waage hat leider nicht geklappt – ein weiteres kleines Erdwesen belagerte mit seinen Eltern die Station und war nicht so leicht von den Bauklötzen wegzulocken. Konnte mich gerade so beherrschen und schaffte es, ihm nicht im Eifer des Gefechts das Spielzeug zu entreißen, um selbst damit spielen zu können. Ich bin stolz auf mich! (Allerdings standen auch die Eltern im Weg und beschützten ihr Baby. 🙄 ) Die Größe meines ökologischen Fußabdrucks liegt übrigens unter dem Durchschnitt der Bevölkerung. Noch mehr Stolz.

Banken und Papiersiegel mit Heldencharakter

Dann gab’s auf dem Heldenmarkt noch die heldenhaften Banken. Ich informierte mich an den Ständen der GLS-, der Triodos- und der Umweltbank. Alle ethisch und nachhaltig ausgerichtet. Es ließ sich mit den Standbetreuer*innen herrlich über Geld und Nachhaltiges parlieren. Das wäre mir vor Kurzem noch langweilig vorgekommen, aber auch dazu an anderer Stelle mehr. Kurz gesagt: Auch Banken und Geldsysteme ändern sich in dieser Zeit des Aufbruchs zu nachhaltigen Gefilden. Das macht diese Themen richtig spannend.

Noch ein letzter Abstecher ging dann zum Stand des PEFC. Wie, keiner weiß, was das ist? Auch die Buchmenschen unter euch nicht? Ich wusste das jedenfalls nicht. PEFC ist ein Siegel für Papier aus nachweislich ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiger Forstwirtschaft. Ein Pendant zum FSC-Siegel, das die meisten in Deutschland eher kennen werden. Es ist verbreiteter, aber PEFC „ist größer“, wie mir der Standmensch mitteilte. Ob es da sachlich entscheidende Unterschiede gibt, bleibt zu eruieren. Vermutlich macht das geschicktere Marketing den Gewinner aus. 

Zuletzt blieben mir nur noch zwanzig Minuten, um kurz die Veggie World in den Nebenräumlichkeiten abzuchecken. Ob mein knurrender Magen dabei hilfreich war? Na ja. Die fehlende Zeit bewahrte mich vor einer schnellen Fressattacke. Brav strandete ich noch am Stand von Algamar und ließ mich mit sympathisch spanischem Akzent über nachhaltig geerntete und vor Jod strotzende Algen aufklären. Das Algenpulver mit dem meisten Jod gewann das Rennen und landete in meiner Stofftasche. Wer mehr über das Label erfahren möchte, der kann das im wahnsinnig empfehlenswerten VeggieWorld Podcast nachhören; in derselben Folge geht es übrigens auch um den nachhaltigen Verlag „Grüner Sinn“.

Restlos grün besonnen machte ich mich schließlich von dannen und verließ mit dem Abschlussgong meine Endstation. Ein heldenreicher Tag mit Floweffekt ging zu Ende.

Let’s play: Wenn du am Wochenende zuhause bist, geh in deinen Garten, auf ein Feld oder in den Wald. Nimm eine Handvoll Erde auf und rieche das kräftige Aroma des Bodens. Jetzt hältst Du deine Zukunft in Händen. (Anregung von der GIZ-Ausstellung)